Wenn der Watzmann zum greifen nah ist …

Nach vielen Jahren mit chronischen Rückenschmerzen soll es für mich in eine Schmerzklinik zur Schmerztherapie gehen. Als ich erfahren habe, dass sich diese in Berchtesgaden befindet, ging mein Herz auf. Die Klinik liegt mitten in den Bergen des Berchtesgadener Nationalparks. Wiederum in diesem befindet sich sein höchster Berg – der Watzmann mit seinen 2713 Hm, gemessen an der Mittelspitze.
Die Begehung des Watzmanns steht nun auch schon seit einigen Jahren auf meiner Erlebnis-Agenda. Pfingsten sei Dank, reise ich einige Tage vor Aufenthalt an.


Aufstieg zur Watzmannhütte des Münchener Alpenvereins

Blick auf das Watzmannhaus, die Münchener Alpenvereinshütte Oberbayerns

Der Bus der Linie 846 bringt mich direkt zum Start an die Wimbachbrücke in Ramsau über den AV-Weg 631. Neben diesem Weg gibt es noch den Zugang über den Hammerstiel in Schönau am Königssee über den AV-Weg 632. Mit dem Bus sind es etwa 10 Minuten Fahrzeit vom Berchtesgadener Hauptbahnhof bis zur Haltestelle Wimbachbrücke.

Wettlauf mit dem angekündigten Unwetter

Nach der Fahrt von Aschaffenburg nach Berchtesgaden begann mein Aufstieg zur Watzmannhütte gegen 13:00 Uhr. Auch wenn aktuell davon nichts zu sehen war, wurde ein starkes Unwetter gemeldet.

Die Luft war schwül und drückend, schon in der ersten halben Stunde hatte ich das Gefühl einer Sauna, statt einem Waldweg ausgesetzt zu sein.
Die geplante Aufstiegszeit liegt bei vier Stunden. Mit dem schweren Rucksack und der mangelnden Kondition wusste ich, dass ich länger brauchen würde und hoffte, noch vor dem Unwetter einzutreffen.
Die knapp 7 km werden in den Infobroschüren als einfach eingestuft. Wegtechnisch gesehen stimme ich diesen – bis auf den letzten Teil, der ein wenig steiniger ist – zu. Jedoch ist hier eine gute Ausdauer von Vorteil, um den recht steilen Anstieg und die 650 Hm zu überwinden.
Meine erste Rast machte ich in der Nähe der Stubenalm. Dort wechselte ich in ein trockenes T-Shirt, klemmte das durchnässte Oberteil an den Rucksack und stärkte mich ein wenig.
Die Socken wechselte ich an der Mitterkaseralm bei einem alkoholfreiem Weizen.
Gemeinsam mit der Wirtin rätselte ich, ob der Aufstieg zum Watzmannhaus gelingen würde, bevor das Gewitter aufzieht. Für uns beide war das beurteilen sehr schwierig, da dicker Nebel die Sicht erschwerte. Mit der aus dem Gespräch entstandenen Idee, mich am nächsten Tag in Richtung Südspitze zu bewegen, anstatt zu den geschlossenen Klettersteigen am Königssee hinabzusteigen, zog ich weiter.
Mein Bauch sagte mir, dass es zeitlich knapp werden könnte und ich mir die Pause theoretisch nicht hätte gönnen dürfen. Mein Verstand sagte jedoch, dass die Pause wichtig ist, um neue Kräfte zu mobilisieren. Die Entscheidung sollte sich ganz am Ende als vollkommen richtig beweisen.

Wenn die Vögel still werden

Blick während des Aufstieges zum Watzmannhaus

Ich bewegte mich aufwärts im dichten Nebel, die Sicht betrug unter 5 Meter.
Das erste Grummeln ignorierte ich und lies mir noch etwas Zeit. Als dann jedoch die Vögel verstummten, wusste ich das ich mich beeilen musste, auch wenn das Gewitter noch nicht zu sehen war. Ich spürte es kommen. Die ersten Tropfen fielen, es grummelte und donnerte. Entsprechend beschleunigte ich meine Schritte und befand mich bereits in der Vorhut des Gewitters, der zunehmende Regen und der stärker werdende Wind kündigten die Nähe des Unwetters an.
So gut ich konnte, beschleunigte ich trotz mühseligen Aufstieges, meinen Schritt. Wohl, aber mit Bedacht und vorsichtig, in der Ruhe bleibend. Panik wäre jetzt der falsche Weg.
Ich konnte kaum noch etwas sehen, auch nicht die Hütte, die ich gefühlt doch bald erreichen sollte. Der Atem war knapp. Während ich lief und überlegte, ob ich mich in einer Felsspalte verschanzen könnte und spielte gedanklich durch, wie ich im Notfall handeln könnte. Es gab kaum sinnvollen Schutz um mich herum – meinen Poncho wusste ich griffbereit.

Um die Entfernung besser abschätzen zu können, gab ich den Weg in Google Maps ein. Es sollten nur noch 150 Meter in acht Minuten sein. Ich sah nichts und glaubte der Angabe nicht so recht, aber ich lief und war bemüht, meinen Atem zu kontrollieren. Der erste Blitz. 90 Meter und drei Minuten. Ich befand mich auf steilen Stufen, die kein Ende nahmen. Selbst als ich diese überwunden hatte, sah ich noch immer nichts. Google Maps zeigte 40 Meter und eine Minute an. Endlich. Ich erblickte ein warmes Licht, das sich zwischen den Nebel drängte und ich erreichte, vollkommen durchnässt von Regen und Schweiß, das Watzmannhaus. Hinter mir donnerte es los. Das war ein regelrechter Wettlauf. Erleichtert bedankte ich mich innerlich, dass das Unwetter noch so weit gewartet hat mit dem Entladen, bis ich in Sicherheit war.

In der Hütte bekam niemand mit was draußen vor sich ging. Ich erntete fragende Blicke.
Tropfend und noch mitgenommen stand ich am Empfang und hörte die Frage, ob ich denn schon meine Wanderschuhe ausgezogen hätte.
Das Abendessen wartete …

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