Mein Zeifler-Wegräumer

Diese Geschichte muss ich einfach mit euch teilen und möchte euch damit Mut machen eurer Leidenschaft zu folgen.

Es ist nun etwa 2 Jahre her, als ich den Herzenswunsch äußerte mit meiner damaligen Freundin klettern zu gehen. Da meine Ohren auf der einen Seite sehr empfindlich sind und auf der anderen Seite Worte schlecht in einem Geräuschgewimmel erkennen können, nahm sie das als Grund, um nicht mit mir klettern zu gehen, da sie um ihre Sicherheit bangte. Mir tat das damals sehr weh und ich wusste, dass es nur ein Vorwand war.

Unsere Wege trennten sich später. Ich dachte mir „Du kannst mich mal!”, besorgte mir selbst ein Klettersteigset und begab mich zum Klettersteig nach Hainstadt. Sehr weit kam ich nicht, denn Panik machte sich breit. Ich hatte riesen große Angst. Die Angst war, an einer Stelle, bei der es um einen Fels herum ging und ich nicht ums Eck sehen konnte, so groß, dass ich wieder umkehren musste.

Ich war so enttäuscht, dass mir fast die Tränen kamen. Ich wollte, verdammt noch mal, klettern, aber traute mir selbst und meinem Körper, insbesondere mit meinen Rückenproblemen (Bandscheibenvorfälle, -vorwölbungen, Hals-Schulter-Nackensyndrom und Chronische Schmerzen), nichts zu. Ich war frustriert und zog langsam meinen Gurt wieder aus. Während dessen kam ein Mann daher, der seine Kletterausrüstung gerade anzog. Ich schaute ihn nur an und bevor ich meinen Gedanken zu Ende denken konnte, ob ich ihn fragen sollte oder nicht, hörte ich mich sagen: “Gehst Du diesen Klettersteig?”, und als seine Antwort: “ja, unter anderem …” war, fragte ich ihn, ob er mich mitnehmen würde. Das tat er.

Wir liefen den Klettersteig, zwei mal, sogar dreimal und ich wurde auch schon abgeseilt. Mein Herz hing in der Hose, aber es war so geil. Diese ein bis zwei Sekunden für eine Entscheidung sollten mein Leben ändern. Ich lernte Andy kennen, meinen heutigen Kletterpartner und persönlicher Motivator. Heute klettern wir regelmäßig einmal in der Woche in der Halle oder am Fels zusammen und ich habe mich großartig in dieser Zeit entwickelt.

Trotz 7-wöchigen Reha-Aufenthalt und Bänderriss im linken Fuß nahm ich im Juli 2021 an meiner ersten DAV-geführten Hochtour, auf vier 3000er und einen 3500er in 5 Tagen, teil und überquerte meine ersten Gletscher. Erneut hing mir das Herz in der Hose und an so manchen Stellen hatte ich wirklich so richtig Schiss, verfluchte die Situation und blockierte fast. Aber Andy war da und reichte mir die Hand.

Im August lief ich in 2,5 Wochen 360 km! Nun braucht auch mein linker Fuß eine Regenerationsphase, aber:

Es war eine unheimlich anstrengende aber erfüllende Erfahrung!

Noch heute bin ich so unendlich dankbar, dass er so viel mehr an mich glaubt(e) als ich es tat und mir dabei half selbst zu erkennen, dass vieles – trotz einiger Einschränkungen – möglich ist. Und, dass es sehr bereichernd ist, nach Hilfe zu fragen, wenn ich selbst nicht weiterkomme.

Mit dem eigenen Willen und den richtigen Menschen an Deiner Seite, die Dein Potential erkennen und fördern wirst Du wachsen und kannst Deiner Leidenschaft folgen!

Go for your spirit!

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