Abstieg vom Hocheck

Wieder zurück am Hocheck kam ich kurz in eine Unterhaltung mit einer jungen Dame, die im gebrochenem Deutsch sprach, ihre Nationalität konnte ich nicht zuordnen. Ein Stück weit liefen wir gemeinsam hinab und nahmen noch einen älteren Herrn mit.

Auch der Abstieg war mit Bedacht zu gehen, denn die Knie schmerzten und viele Unebenheiten luden förmlich zum Fuß umknicken ein. Die junge Frau war sich bald ihres Schrittes sicher und ging rascher voran. Der Mann jedoch wartete geduldig auf mich, damit ich nicht alleine gehen musste, was ich schon sehr nett empfand, obwohl ich ja ganz bewusst so ging, wie ich ging. So ist es in der Bergwelt und so soll es auch bleiben. Denn so ist es gut.


Wieder am Watzmannhaus angekommen, genoss ich die nun nebelfreie Aussicht bei meinem alkoholfreien Weizen, Kaffee und Kuchen.
Zur Abendessenszeit traf ich den Herrn wieder und im Gespräch fanden wir heraus, dass wir aus ähnlichem Wohnort kamen. Wie der Zufall so will fand ich eine Broschüre, die schon das nächste Ziel beinhaltete. Die Gegend des Eibsees an der Zugspitze, in der er bereits unterwegs war und mir so schon ein paar wichtige Informationen mit auf den Weg geben konnte. Es kommt immer so wie es gerade richtig ist. Diese Momente machen mich glücklich, helfen mir auf das Leben zu vertrauen und meine Ausgeglichenheit aufrecht zu erhalten.
Gesättigt und zufrieden ziehe ich mich schon früh zurück ins Bettenlager, um bei Tagesanbruch den Abstieg zur Wimbachbrücke anzutreten.


Der veregnete Abstieg zur Wimbachbrücke – ein Genuss

Blick am frühen Morgen aus dem Watzmannhaus

Ich war froh, dass ich früh zu Bett ging, und somit gut vorgeschlafen hatte als Schnarchgeräuche, die sich durch meine Ohropax drängten, schon vor dem Wecker aufstehen ließen.
Ich schaute aus dem Fenster, es war vier Uhr und ich hatte noch etwa eine Stunde Zeit bis ich etwas Tageslicht hatte. Draußen war wieder dicker Nebel und es regnete. Ich nutzte die Zeit, um mich ganz entspannt fertig zu machen und mich auf einen verregneten Abstieg vorzubereiten.

Es war nicht kalt. Die Luft und der Regen waren warm. Ich mochte dieses Wetter. Unter dem Regenponcho war es ohnehin warm und ich schwitzte sogar, obwohl ich nur ein T-Shirt anhatte. Trotz der Wärme ließ ich jedoch die Mütze auf dem Kopf. Ich wusste, dass ich schnell frieren und krank werden würde, wenn ich sie jetzt absetzen würde.

Morgentlicher Abstieg bei Nebel und Regen


Der Abstieg war für mich noch einmal ein richtig schönes Erlebnis, weil ich mit den Tieren der Bergwelt zusammen den Morgen begrüßten. Entlang des Weges entstand ein kleiner Bach durch den Regen. Ich sah so viele Alpensalamander, die den Regen anbeteten, dass ich wirklich aufpassen musste wo ich meine Stöcke absetzte und wo ich hintrat.
Steinböcke, welche im Regen standen, vor sich hinträumten oder hinter einem Fels verschwanden ließen sich nicht durch meine Anwesenheit stören. In diesem Moment füllte ich mich vollständig. Ich war ein Teil vom ganzen, ein Teil der unberührten Natur, die den neuen Tag begrüßte.


Noch ein wenig geflasht und natürlich mal wieder völlig durchnässt, kam ich in der Schmerzklinik an und erntete natürlich fragende Blicke. Sie haben nicht so ganz verstehen können, weshalb ich so nass und mit Sonnenbrand im Gesicht hierher kam, wenn doch die Busse hier herfuhren.
Die Frage, ob ich einen Marsch hier machte, beantwortet ich nur für und freute mich über meine gemachten Eindrücke, von denen ich nun die nächsten drei Wochen zerren konnte.

Egal, wie sehr der Rücken und die Knie mich plagten, der Watzmann musste einfach sein. Und, oben drein werde ich wiederkommen, um vielleicht die Watzmann-Überquerung zu starten.

Den Abstiegsmoment als Gedicht lesen »

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